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11.10.2004
weisse Wand
Der schwere, fast schon dumpfe Klang der Kirchturmglocke berührte nun schon zum fünften Mal seine Gedanken ohne sie wirklich durchdringen zu können. Mehr als fünf Stunden waren es nun also bereits. Solange saß er schon hier in seiner neuen Wohnung und starrte die Wand an. Er hatte sie gerade frisch gestrichen. Ganz in Weiß. Der Geruch der Farbe hielt sich selbst nach dieser relativ langen Zeit noch im Raum. Er aber nahm ihn gar nicht mehr war.
Alles war so fremd hier. Es würde Jahre brauchen, ehe diese Fremde zu 'seinem' zu Hause werden würde.
Die ganze Zeit über beschäftigte ihn nur ein Gedanke. Wie wohl ein Bild von ihr an dieser leeren Wand aussähe? Vielleicht das, auf dem sie den Schmuck trägt, den er ihr schenkte. Oder das, wo sie so völlig frei und offen lacht.
Er hat noch viele Bilder von ihr. Die meisten davon in seinem Kopf und seinem Herzen. Hier würde er sie für immer bewahren. Langsam erhob er sich. Er hatte sich entschieden. Die Wand in der neuen Wohnung würde leer bleiben. Sie war gegangen. Es war ihre Entscheidung. Er hatte kein Recht sie zu halten, auch nicht auf diese Weise. Vielleicht würde sich die Wand mit der Zeit langsam mit Gegenständen des neuen Lebens füllen. Für das Gedenken an sie brauchte er keine Fotos an der Wand. Die Erinnerungen tief in ihm waren deutlicher, realer und beständiger als es ein Foto an der Wand es jemals sein könnte.
©Copyright by Ronny Hänsch