; 17.08.2001

Paranoia

Ein zärtlicher Moment gefriert in einem Schweigen, welches tiefer ist, als es jede Stille je sein könnte. Seit sich solche Worte zum letzten Mal in sein Denken brannten ist viel Zeit vergangen - Sehr viel Zeit und dennoch vielleicht noch nicht genug.
Und vielleicht doch zu viel, denn es fällt schwer sie zu glauben nach all diesen Augenblicken verdrängter Erinnerung. Sie klingen falsch, obwohl er weiß, dass sie ehrlich gemeint sind.
Sie würde nicht lügen, nicht jetzt. Sie würde ihn wahrscheinlich nie belügen. Sie würde ihm immer die Wahrheit sagen, oder das, was sie für die Wahrheit hält.
Und dies ist der Schatten, der auf das Feuer fällt und es zu ersticken droht:
Er misstraut nicht ihr oder ihren Worten, er zweifelt auch nicht daran, dass sie ernst gemeint sind. Er fragt sich nur, ob sie sich vielleicht selbst belügt. Nicht ihn, sondern sich selbst, vielleicht ohne es sich selbst bewusst zu sein.
Und dann erkennt er der Wahrheit Spiegelbild: Nicht sie oder ihre Worte sind das Schwert, welches zwischen ihren Welten scharfe Grenzen schlägt, sondern er selbst.
Leise - beinahe ängstlich - wiederholt sie die Worte noch einmal, ein letztes grausames Mal: "Ich liebe Dich!"
Und alles was er kann ist traurig mit dem Kopf zu schütteln und langsam zu gehen.

©Copyright by Ronny Hänsch