Hier sind ein paar Zitate aus verschiedenen Werken und Schriften von Hesse. Die jeweilige Quelle steht unter dem Zitat. Es ist nur eine relativ kleine Auswahl von Aussagen, die mir persönlich sehr gefallen und die zum Teil meine eigenen Gedanken und Ansichten verdeutlichen. Viel Spaß beim Lesen...
„Niemand ist schuldig. Man schießt und brennt die Welt in Trümmer und ist dabei völlig unschuldig. Man ist „Exponent“ oder „Faktor“ oder irgendetwas geistreiches, aber kein Mensch, kein moralisches, unter Gott stehendes, ihm verantwortliches Wesen. Ich gebe keinen roten Pfennig dafür.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Ich finde, unser Leben, das durchschnittliche Leben eines heutigen Abendländers, ist so scheußlich, dass es nur Klötzen, von Idioten, von Leuten ohne Nerven, ohne Geschmack, ohne feine Schwingungen ertragen werden kann, der „Heroismus“ ist ja dann auch das Ideal dieser Zeit und endet bei vierzig Grad Frost im Schützengraben. Nein, die Menschen ertragen dies Leben nur, weil sie sich die zarten und darunter die besten und schönsten Gaben des Menschen schon abgewöhnt haben.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Bekanntlich haben die krassesten Atavismen am heftigsten das Bedürfnis, sich als modern und als Fortschritt zu verkleiden.“
Schriften zur Literatur I
„Der primitive Mensch hasst das, wovor er sich fürchtet, und in manchen Schichten seiner Seele ist auch der zivilisierte und gebildete Mensch ein Primitiver. So beruht auch der Hass von Völkern und Rassen gegen andere Völker und Rassen nicht auf Überlegenheit und Stärke, sondern auf Unsicherheit und Schwäche.
Ein wirklich Überlegener, ein wirklicher Herr wird den, dem er sich überlegen weiß, bemitleiden, vielleicht gelegentlich auch verachten, niemals aber hassen.“
politische Betrachtungen
„Jeder Mensch ist etwas persönliches und einmaliges, und an stelle des persönlichen Gewissens ein kollektives setzten zu wollen, das heißt schon Vergewaltigung und ist der erste Schritt zu allem Totalitären.“
Briefe, unveröffentlicht
„Ich verstehe es und billige es, wenn ein Mensch viel von sich selbst verlangt, wenn er aber diese Forderung auf andere ausdehnt und sein Leben zum „Kampf“ für das Gute macht, so muss ich mich des Urteils darüber enthalten, denn ich halte von Kampf, Aktion, Opposition nicht das Mindeste; ich glaube zu wissen, dass jeder Wille zur Änderung der Welt zu Krieg und Gewalt führt, und kann darum mich keiner Opposition anschließen, denn ich billige die letzten Konsequenzen nicht, und halte das Unrecht und die Bosheit auf Erden nicht für heilbar.
Was wir ändern können und sollen, das sind wir selber: unsere Ungeduld, unseren Egoismus (auch der geistige), unser Beleidigtsein, unseren Mangel an Liebe und Nachsicht. Jede anderer Änderung der Welt, auch wenn sie von den besten Absichten ausgeht, halte ich für nutzlos.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Die meisten Menschen haben ja keine persönlichen Gesinnungen, sondern die ihrer Kaste, sowohl die Kapitalisten wie die Sozialisten sind zu 99 Prozent Anhänger von Meinungen, zu deren Nachprüfung ihr Geist gar nicht ausreicht.“
politische Betrachtungen
„Person und Programm sind nicht immer dasselbe. Man kann an Gegnern, ja an erklärten Feinden mehr Freude haben und mehr Gutes lernen als an Gesinnungsgenossen, die es nur mit dem Verstande, nur mit dem Worte sind.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Man lacht über die Militärdienstverweigerer! Nach meiner Meinung sind sie das allerwertvollste Symptom der Zeit, auch wenn der einzelne sonderbare Gründe angibt für sein tun. Jetzt aber ist man schon so weit, dass eine ernsthafte Motion im Gange ist, man solle denen, die aus sittlichen Gründen den Dienst verweigern, Gelegenheit schaffen, ihren Dienst in ziviler Arbeit abzulösen. Vielleicht wird das nicht durchgehen, heute noch nicht, aber kommen wird es absolut sicher, und vielleicht kommt dann auch eine Zeit, wo auf drei Soldaten zehn Zivildiensttuende kommen werden, wo man ganz natürlich das Kriegshandwerk, soweit es noch existiert, den geborenen Raufbolden und Sauhunden überlässt. Aber alles das wäre nie gekommen, wenn nicht zuerst eine Anzahl Menschen den Mut gehabt hätten, einem starken Gefühl zuliebe gegen die Allgemeinheit zu protestieren und den Dienst zu verweigern.“
Briefe, unveröffentlicht
„„Wirklich“ nennt der Bürger nur die Dinge, die von allen oder doch von vielen ähnlich wahrgenommen werden.“
Klingsor (Klingsors letzter Sommer / Klein und Wagner)
„Wenn in besonders begabten und zart organisierten Menschenseelen die Ahnung ihrer Vielspältigkeit aufdämmert, wenn sie, wie jedes Genie, den Wahn der Persönlichkeitseinheit durchbrechen und sich als mehrteilig, als ein Bündel aus vielen Ich’s empfinden, so brauchen sie das nur zu äußern, und alsbald sperrt die Majorität sie ein, ruft die Wissenschaft zu Hilfe, konstatiert Schizophrenie und beschützt die Menschheit davor, aus dem Munde dieser Unglücklichen einen Ruf der Wahrheit vernehmen zu müssen.“
der Steppenwolf
„Dieselbe Menschheit, die den Gehorsam gegen ihre willkürlichen Gesetze als höchste Tugend bei den Lebenden preist und fordert, nimmt in ihr ewiges Pantheon gerade jene auf, die jener Forderung Trotz boten und lieber ihr Leben ließen, als ihrem „eigenen Sinn“ untreu wurden.“
Krieg und Frieden
„Der Mensch hat auf Erde das Regiment erobert, und er ist kein guter Regent. Aber die Erwachten und Gutgesinnten müssen dennoch das ihre tun, nicht mit Lehren und Predigten, sondern indem jeder in seinem Kreise sinnvoll zu leben sucht.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bild etwas, was in uns selber sitzt. Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf.“
Demian
„Nur der Einzelne kann im Kampf gegen die natürlichen Triebe das Unmögliche erreichen. Eine Gemeinschaft, ein Volk kann das nicht, die wollen mit Zugeständnissen und Anpassungen rein praktisch behandelt sein.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Natürlich gibt es sehr viele Menschen, denen das Leben leichter fällt und die scheinbar oder wirklich „glücklicher“ sind; es sind die nicht stark individualisierten, die keine Probleme kennen.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Ja, sagen Sie Ja zu ich, zu Ihrer Absonderung, Ihren Gefühlen, Ihrem Schicksal! Es gibt keinen anderen Weg. Wohin er führt, weiß ich nicht, aber er führt ins Leben, in die Wirklichkeit, ins Brennende und Notwendige. Sie können ihn unerträglich finden und sich das Leben nehmen, das steht jedem offen, der Gedanke daran tut oft wohl, auch mir. Aber ihm entgehen, durch Entschluss, durch Verrat am eigenen Schicksal und Sinn, durch Anschluss an die "Normalen", dass können sie nicht. Es würde nicht lange gelingen und größere Verzweiflung bringen als die jetzige.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Es gibt Frieden, gewiss, aber nicht einen, der dauernd in uns wohnt und uns nicht mehr verlässt. Es gibt nur einen Frieden, der immer und immer wieder mit unablässigen Kämpfen erstritten wird und von Tag zu Tag neu erstritten werden muss.“
Narziß und Goldmund
„Für die meisten ist die Sinnlosigkeit gar kein Leid, so wenig wie für den Regenwurm. Aber eben die Wenigen, die vom Leid ergriffen werden und nach dem Sinn zu suchen beginnen, machen den Sinn der Menschheit aus.“
Briefe, unveröffentlicht
„Ohne das Tier in uns sind wir kastrierte Engel.“
Briefe, unveröffentlicht
„Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo Du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem Du helfen, den Du lieben und erfreuen kannst.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Unserer Bestimmung ist, Gegensätze richtig zu erkennen, erstens nämlich als Gegensätze, dann aber als Pole einer Einheit.“
Das Glasperlenspiel
„Kein Mensch kann das beim andern sehen und verstehen, was er selbst nicht hat.“
Briefe, unveröffentlicht
„Die Schule ist die einzige moderne Kulturfrage, die ich ernst nehme und die mich gelegentlich aufregt. An mir hat die Schule viel kaputt gemacht, und ich kenne wenig bedeutendere Persönlichkeiten, denen es nicht ähnlich ging. Gelernt habe ich dort nur Latein und Lügen.“
Briefe, unveröffentlicht
„Urteile sind nur wertvoll, wenn sie bejahen. Jedes verneinende, tadelnde Urteil, wenn es als Beobachtung noch so richtig ist, wird falsch sobald man es äußert. Was Menschen übereinander reden, davon sind zwei Drittel solche „Urteile“. Wenn ich von einem Menschen sage, er sei mir zuwider, so ist das eine ehrliche Aussage. Wer sie hört, dem ist es anheimgegeben, ob er die Schuld an diesem Zuwidersein mir oder dem anderen zuschreiben will. Sage ich aber von jemand, er sei eitel oder geizig, oder er trinke, so tue ich Unrecht. Auf diese Art ließe jeder Mensch sich rasch durch Urteile „erledigen“. Für diese Art von Urteil ist Jean Paul ein Biertrinker, Feuerbach eine Sammetjacke und Hölderlin ein Verrückter gewesen. Ist damit etwas über sie gesagt, etwas von ihnen gegeben? Ebenso gut kann einer sagen: Die Erde ist ein Planet, auf dem es Flöhe gibt. Diese Art von „Wahrheiten“ sind der Inbegriff aller Fälschung und Lüge. Wirklich wahr sind wir nur, wo wir Ja sagen und anerkennen. Das Feststellen von „Fehlern“, und klinge es noch so fein und geistig, ist nicht Urteil, sondern Klatsch.“
Schriften zur Literatur II
„Wer zu sich selber Nein sagt, kann zu Gott nicht Ja sagen.“
Wanderung
„Glaube und Zweifel sind einander entsprechend. Sie gehören komplementär zueinander. Wo nie gezweifelt wird, da wird auch nicht richtig geglaubt.“
Gedenkblätter
„Weihnachten ist ein Inbegriff, ein Giftmagazin aller bürgerlichen Sentimentalitäten und Verlogenheiten, Anlass wilder Orgien für Industrie und Handel, großer Glanzartikel der Warenhäuser, riecht nach lackiertem Blech, nach Tannennadeln und Grammophon, nach übermüdeten, heimlich fluchenden Austrägern und Postboten, nach verlegener Feierlichkeit in Bürgerzimmern unterm aufgeputzten Baum, nach Zeitungsextrabeilagen und Annoncenbetrieb, kurz - nach tausend Dingen, die mir alle bitter verhasst und zuwider sind und die mir alle viel gleichgültiger und lächerlicher vorkämen, wenn sie nicht den Namen des Heilandes und die Erinnerung unserer zartesten Jahre so furchtbar missbrauchten.“
Prosa und Feuilletons aus dem Nachlass (herausgegeben von Ninon Hesse)
„Schönheit beglückt nicht den, der sie besitzt, sondern den, der sie lieben und anbeten kann.“
Prosa und Feuilletons aus dem Nachlass (herausgegeben von Ninon Hesse)
„Wir handeln nicht aus irgendwelchen abstrakten Einsichten und Überlegungen heraus, sondern tun im Grunde alle Schritte unseres Lebens, nur aus dem Urgrund unseres Wesens, aus unserm Temperament unserer Rasse, aus unbewussten Antrieben heraus, dazu suchen wir dann die Weltanschauung, die dazu passt.“
Briefe, unveröffentlicht
„Es gibt Millionen Gesichter der Wahrheit, aber nur eine Wahrheit.“
Gedenkblätter
„Die Magie des Traumes versagt am Tage oft, weil auch der beste Träumer die Außenwelt im Wachen immer wichtiger nimmt als er sollte. Die Verrückten können das besser; sie erklären sich für Kaiser und die Zelle für ihr Schloss, und alles stimmt wunderbar.
Die Außenwelt umzaubern zu können, ohne doch verrückt zu werden, das ist unser Ziel. Es ist nicht leicht, dafür aber ist wenig Konkurrenz da.“
Briefe, unveröffentlicht
„Die höchste Kunst bedarf des Erklärens und aller angewandten Psychologie nicht, sie stellt ihre Gestaltungen hin und vertraut ihrem Zauber, ohne das Nichtverstandenwerden zu fürchten.“
Rezensionen aus dem Nachlass
„Wenn jemand den Autor einer echten Dichtung fragt: „Hättest Du nicht lieber einen anderen Stoff wählen sollen?“ - so ist das gerade, wie wenn ein Arzt zu dem Patienten mit der Lungenentzündung sagen wollte: „Ach, hätten sie sich doch lieber für einen Schnupfen entschieden!““
Schriften zur Literatur I
„Das machen schlechter Gedichte ist noch viel beglückender als das Lesen der allerschönsten.“
Schriften zur Literatur I
„Sie haben unrecht, wenn Sie es für unmöglich halten, „ein Weh wegzudichten“. In den Versen bleibt oft ein gut Teil des Giftes hängen. Jedenfalls machen sie den Schmerz flüssig. Er rinnt durch die holprigsten Trochäen auf’s gutmütigste weg.“
Briefe, unveröffentlicht
„Man kann nicht immer dasselbe tun, ohne dabei einzutrocknen und sich an gewisse eingefahrene Gleise zu gewöhnen. Mir geht es auch so, und wenn ich eine zeitlang nur an einer Dichtung gearbeitet oder nur Rezensionen geschrieben oder nur Geschichtliches gelesen und gedacht habe, dann muss ich wechseln und mich an anderen Objektiven wieder korrigieren, muss plötzlich für eine Weile Philosophie oder Musikgeschichte treiben oder malen oder irgend was andres. Und ehe man sich diesen Ruck gibt und den Wechsel vornimmt, kommt gewöhnlich eine Zeit großer Unlust und Depression.“
Briefe, unveröffentlicht
„Der Mensch besteht, nach der alten, bildhaften und schönen Vorstellung aus Körper, Seele und Geist. Meistens sind zwei dieser Elemente miteinander verbündet und das Dritte wird vernachlässigt. So hat die Verbindung von Geist und Seele im Christentum den Körper verleumdet und vernachlässigt. Unsere Zeit dagegen übertreibt sowohl die Körperkultur wie die des Verstandes, beides auf Kosten der Seele. Die Kunst ist recht eigentlich das Reich der Seele und strebt doch weit übers Sinnliche hinaus.“
Briefe, unveröffentlicht
„Er hatte geliebt und dabei sich selbst gefunden. Die meisten aber lieben, um sich dabei zu verlieren.“
Demian
„Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe 1964 Motto
„Schritte, die man getan hat, und Tode, die man gestorben ist, soll man nicht mehr bereuen.“
Briefe, unveröffentlicht
„Wenn einem Menschen, so denke ich mir, durch Natur, Erziehung und Schicksal der Selbstmord unmöglich und verboten ist, dann wird er ihn, auch wenn gelegentlich die Phantasie ihn mit diesem Ausweg in Versuchung führt, nicht ausführen können, es wird ihm einfach verboten bleiben. Ist es anders, und wirft einer das Leben, das ihm unerträglich geworden ist, entschlossen von sich, so hat er nach meiner Meinung dazu dasselbe Recht, wie andere es auf ihren natürlichen Tod haben. Bei manchen, die sich umgebracht haben, habe ich ihren Tod als natürlicher und sinnvoller empfunden denn so manchen andern.“
Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964 Motto
„Gegen den Tod brauche ich keine Waffe, weil es keinen Tod gibt. Es gibt aber eines: Angst vor dem Tode. Die kann man heilen.“
Klingsor (Klingors letzter Sommer / Klein und Wagner)